Bildung

Kochen als Lebensschule

Kochen als Lebensschule - ein Schulhausrestaurant der anderen Art

In der ehemaligen Schulküche des Oberstufenschulhauses Burghalde 2 gibt es seit August 2016 eine neue Art Schulhausmittagessen. Schülerinnen und Schüler der 4. Realklasse kochen mit grossem Engagement unter Anleitung der schulischen Heilpädagogin Pia Müller jeden Dienstag für einige Lehrpersonen und sich selber.

Für die Schülerinnen und Schüler ist es eine gute Gelegenheit, sich in wichtigen Alltagskompetenzen zu schulen und dabei Selbstvertrauen zu entwickeln. Kochen und Backen geben sofortige Rückmeldung über Gelingen oder nicht Gelingen. Die Muffins zum Dessert können schmecken oder verbrannt sein, die Hacktätschli können goldbraun gebraten sein oder innen noch roh. Es gibt Schüler, die begreifen die Masseinheiten erst in der Küche beim Kochen und Backen: nämlich dann, wenn sie für einen Kuchenteig einen Liter Milch nehmen statt einen Deziliter. Das Lernen mit Kopf, Herz und Hand kann durch dieses Projekt gefördert und im Schulalltag an realen Lernsituationen umgesetzt werden. Echte Betroffenheit wird bei den meisten Schülern/innen ausgelöst, wenn die zuzubereitenden Rezepte vorliegen und die Arbeit in der Schulküche beginnt. „Jeder muss sich Nahrung zubereiten können“ oder „das muss meine Mutter auch immer für unsere Familie machen – ich wusste gar nicht, wie viel Arbeit das eigentlich ist“ – „wo soll ich nur beginnen?“ sind nur einige der Aussagen, die dann schnell zu spannenden Diskussionen unter den Schülern/innen selbst und mit der Lernbegleiterin Frau Müller kommen. In der Küche kann man sich bei der Arbeit ganz anders begegnen, es scheint irgendwie persönlicher zu sein. Das gefällt allen.

„Jetzt bin ich fast ein bisschen stolz“, diese Aussage eines Schülers vor einem schönen Teller mit selbst zubereiteter dampfender Lasagne, zeigt auf, dass Erfolgserlebnisse an verschiedenen Orten gemacht werden können.
Ursprünglich entstand diese Idee, um Kindern mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen und Lernblockaden ein weiteres aktives Lernfeld anzubieten und die Motivation, etwas Aktives tun zu können, zu stärken. Mittlerweile wollen immer mehr Schüler/innen freiwillig mitmachen und es muss manches Mal ausgelost werden, wer mit in die Schulküche kann.

Bisher am besten geschmeckt hat allen die Lasagne, mit und ohne Fleisch. Und heute war die Salatsauce eindeutig zu sauer...

Pia Müller/ Sarah Goldau